Warum dieser Bericht?

Zum jetzigen Zeitpunkt Ende 2005 ist das Kapitel Dampfbetrieb bei der Chinesischen Staatsbahn beendet. Lediglich bei verschiedenen Industriebahnen lässt sich noch authentischer Dampfbetrieb erleben. Ganz anders vor ca. 10 Jahren als noch eine vierstellige Zahl der legendären bis 1988 gebauten Hochleistungslokomotiven der Reihe QJ im Einsatz stand. In Verbindung mit Einreiseerleichterungen seit dem Beginn der 90iger Jahre entwickelte sich China vor allem in der zweiten Hälfte der 90iger Jahre zu einem Reiseziel für den harten Kern der weltweiten Dampflokfans. Eine besondere Augenweide stellte die erst 1995 eingeweihte JiTong-Eisenbahn in der autonomen Provinz Innere Mongolei dar. Diese 943 km lange Strecke wurde mit ausschließlichem Dampfbetrieb eröffnet. Ca. 100 Lokomotiven der Reihe QJ wurden aus ehemaligen Staatsbahnbeständen für den Einsatz übernommen. Mit dem legendären Jing-Peng-Pass, der über Kehren und Tunnelstrecken von schweren Güterzügen bezwungen wird, wurde die Strecke ab dem Ende der 90iger Jahre zum Wallfahrtsort für Eisenbahnfotografen und -Filmer aus aller Welt. Wohl nicht umsonst wird diese Passstrecke in einer klimatisch unwirtlichen Gegend als Dampf-Olymp bezeichnet. In den letzten Jahren wurde diese Strecke medial vielfach in Film-, Fernseh und Printproduktionen gezeigt. Auch eine Reihe von Spezialreiseveranstaltern nahm den Besuch dieser Strecke in Ihr Programm auf.

Im Herbst 2005 hieß es Abschied nehmen vom Dampfbetrieb auf der JiTong-Eisenbahn, lediglich einige wenige Maschinen werden für bestellte Fahrten der Spezialveranstalter vorgehalten und werden nur für dollarträchtiges Publikum auf die Strecke gehen. Ansonsten wird die Region, um die selbst die Lonely-Planet-Reiseführer einen Bogen machen, wohl auch für Eisenbahntouristen in der Bedeutungslosigkeit versinken. Grund genug mehr als vier Jahre nach meiner Reise an den Jing-Peng-Pass und weitere chinesische Dampfstrecken im Spätsommer 2001 meine Dias zu scannen und einige Erlebnisse aufzuschreiben.

Mein besonderer Dank geht an Tim Schicke für die Präsentationsmöglichkeit auf seiner Internetseite und die technische Umsetzung der Galerien.

Idee und Vorbereitung der Reise:

Bei einem abendlichen Treffen einiger Dresdner Eisenbahnfotografen im Frühsommer 2001 fragte der Studienkollege und weltweit renommierte China-Dampfexperte Florian Menius in die Runde ob noch zwei oder drei Leute Interesse haben, Ihn bei einer China-Tour in den Semesterferien zu begleiten. Angesicht seiner gezeigten Aufnahmen wurde bei mir und zwei weiteren durch die UNI bekannten Hobbykollegen spontanes Interesse geweckt. Die Tour sollte neben der Stahlwerksbahn Chengde und den allerletzten chinesischen Staatsbahndampflokomotiven um Yebaishou vor allem die legendäre Jing-Peng-Passstrecke zum Ziel haben. Es wird mit Sicherheit keine erholsame Reise und auch die hygienischen Verhältnisse werden gewöhnungsbedürftig sein, da wir uns abseits der touristischen Erschließung bewegen werden. Aber auf eigenen Faust mit einem erfahrenem Mitreisenden durchgeführt ist die Tour auch für studentische Verhältnisse bezahlbar. Für vergleichbare Veranstaltertouren muss man ein Vielfaches berappen. Nach zwei Wochen Bedenkzeit galt es erste Vorbereitungen zu treffen, so mussten schnellstmöglichst in der chinesischen Botschaft in Berlin Visa beantragt und die nötigen Impfungen getätigt werden. Es galt das passende Fotoequipment auszuwählen und zu besorgen. Für die Tour plante ich meine Nikon F4 ein und besorgte mir noch ein FE2-Gehäuse als Zweitkamera, da ich mir die Mitnahme meiner F5 zu riskant war. Bei den Objektiven habe ich mich für 50, 85 und 180 mm Festbrennweiten entschieden. Dazu kamen ca. 80 Diafilme, Fuji Velvia für die F4, Fuji Sensia für die Zweitkamera und einige Agfa Scala SW-Diafilme als Schlechtwetterreserve, die nicht zum Einsatz kam. Irgendwie passte keine von meinen Fototaschen- bzw. Rucksäcken optimal. Daher schaffte ich mir für die Tour die Lowe-Reporter 400 mit einigen abnehmbaren Außenteilen für die bei Tagestouren nicht benötigten Filme an. Diese Tasche bot außerdem eine Allwetterhülle, die mir bei den sandigen Winden gute Dienste leistete und sich gut eignet als Kabinengepäck im Flieger.

Günstige Flugtickets zum gewünschten Termin am 24.August bot nur noch die Aeroflot an. So bekamen wir für die Relation Frankfurt - Moskau - Peking mit Rail&Fly und Rückflug am traurig-berühmten 11.9.2001 die Tickets für ganze 1000,- DM.