Es hat geklappt, der Fahrer hat unser Hotel pünktlich gefunden und die Fahrt kann beginnen. Zuerst fahren wir den Bahnhof JingPeng an, dabei durchfahren wir das Flussbett eines eingedörrten Flusses. Die daneben befindliche Brücke ist nur für Fussgänger und Radfahrer geeignet. An denen wenigen Tagen mit Regenfällen ist der Bahnhof nur über größere Umwege zu erreichen. Wir schauen uns das Bahnhofsumfeld an und warten auf einen bergwärtsfahrenden Güterzug, den wir dann mit unserem Fahrer verfolgen. Es dauert nicht lang und ein erster Güterzug kommt im Bf. zum stehen. Leider gelingt das Foto von der ohrenbetäubenden Ausfahrt nur bei Bewölkung. Wir fahren weiter zur Brücke im Ziegeleital in Erdi. Dort herrscht wieder klares Morgenlicht als der Güterzug an uns vorüber fährt (Bild 2).
Wir fahren vorbei am Scheitelpunkt der Strecke und suchen das Dorf Shi Di auf, dort suchen wir ein Motiv für einen Bergwärtszug der Gegenrichtung. Während wir bei sengender Sonne auf den Zug warten hat uns der Fahrer Wassermelonen besorgt. Nach dem das Motiv im Kasten ist fahren wir entlang der Strecke weiter talwärts in Richtung Reshui. Wir beschließen an dem Bahnübergang bei San Di, der aus unzähligen Buch- und Zeitschriftenbeiträgen eines der meistveröffentlichen Bahnbilder aus China ist weitere Fotos zu machen. Doch es passiert zunächst nichts. Der Schrankenwärter macht uns auf einen Bauzug in einem nahe liegenden Einschnitt aufmerksam, dieser wird dann auch fotografiert. Dann noch einige Motive am Bahnübergang (Bild 4), dann bittet uns der Wärter herein.
Dort hat er eine Galerie an Dienstmützen vorrätig. Er ist wohl schon auf die Kaufwünsche von Eisenbahnfotografen gerüstet, die im Winter in Heerscharen aus aller Welt an den JingPeng-Pass kommen. Wir haben im Sommer nicht einen Hobbykollegen getroffen. Stefan kauft sich eine Dienstmütze. Anschließend fahren wir hinunter nach Reshui/Galatesidai. Dort wird der nächste bergwärtsfahrende Güterzug fotografiert. Dieser wird mit dem Auto überholt und noch mal am Bahnübergang in San Di fotografiert, sowie vom Portal des Scheiteltunnels in Shangdian. Das Wetter trübt sich gegen Mittag ein. Wir schauen noch mal am Bahnhof in Jing-Peng vorbei. Auffallend ist der äußerst gepflegt Zustand der Bahnanlagen. Ein Vorplatz mit Blumenrabatten und Skulpturen, auf dem Bahnsteig futuristische gestaltete Bänke. Nur wozu, bei Tageslicht hält nicht ein einziger Personenzug in JingPeng, der Express- und der Personenzug fahren nachts und die Bahnsteigsperre öffnet erst wenn der Zug an den Bahnsteig rollt. Im Bahnhof selbst überall emsiges Treiben. Heute werden Kohlen ausgeladen. Ich beobachte die etwas fragwürdige Logistik. Die Güterwagen werden von Hand ausgeschaufelt. Die Kohlen fliegen auf den Boden. Weitere Kohlenschaufler befördern ebenfalls von Hand den Kohlenhaufen auf die Ladefläche von LKWs. Als ich von dieser Aktion ein Foto machen will droht mir ein Kohlelader mit seiner Schippe. Er weiß wohl von der Ineffektivität seiner Arbeit, aber das ist chinesische Beschäftigungspolitik. Arbeitskraft kostet fast nichts (Bild 7).
Interessant ist die Belieferung chinesischer Städte mit Ganzzügen, so kommen in JingPeng an anderen Tagen mehrere Güterwagen mit $Auml;pfeln oder mit Bierkästen an. Wie viele Flaschen werden wohl beim Umladen auf dem Bahnhof als Schwund einkalkuliert? Der Fahrer kann es nicht lassen mit uns ein befreundetes Restaurant in JingPeng aufzusuchen. Wir können das Fernbleiben von der Strecke verschmerzen, da sich der Himmel stark eingetrübt hat. Bei einem etwas untypischen Eintopfgericht kommen wir, d.h. über Florian, der etwas chinesisch spricht, mit Ihm ins Gespräch. Er erzählt uns bischen was zu seinen Einkommensverhältnissen und seiner Arbeit. Wir begleichen die Rechnung und beschließen erneut ins Ziegeleital zu fahren. Vereinzelt reißt die dichte Wolkendecke auf. Wir suchen einen Fotostandpunkt mit der Ziegelei im Vordergrund. Doch was passiert jetzt? Es bilden sich zwei übereinander liegende volle Regenbogen ein wunderschönes Naturschauspiel. Jetzt müsste noch der Dampfzug über die Brücke rollen dann wäre das perfekte Bild im Kasten. Sollte wirklich ein Zug nahen, dann müssen wir etwas zurücktreten um mit Normalbrennweite wenigsten ein Stück des Regenbogen ins Bild zu bekommen. Der zweite Bogen kann wohl nur mit bei Videoaufnahmen eingeblendet werden. Wie gerufen hören wir im Hintergrund einen Dampfzug nahen. Aber gleichzeitig strebt im Hintergrund eine Wolkenwand auf uns zu. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. Ist der Dampfzug schneller oder die Wolkenwand? Wir haben riesiges Glück, der Dampfzug rollt unter dem Regenbogen über die Brücke (Bild 8). Ein wohl einmaliges Motiv, was auch ohne Regenbogen schon ein Highlight wäre ist im Kasten. Ich glaube wenn mir ein Fotolaborant diesen Film verpfuscht würde Ihm das Lachen vergehen...
Auch unsere Fahrer hat begriffen, dass wir hier einen wohl unwiederholbar schönen Schuss hinbekommen haben. Sekunden nach der Durchfahrt des Zuges beginnt es zu regnen. Wir fahren weiter an die um am Kehrviadukt in SiMingYi Fotos von einer tiefen Position zu machen. Doch weil kein Zug zu hören ist zunächst einige Gruppenbilder mit unserem Fahrer (Bild 10). Dann erstmal ein talwärts fahrender Zug, der vor dramatischer Theaterbeleuchtung auch ein gutes Motiv abgibt. Danach passiert lange nichts, erst kurz vor dem Sinken der Sonne arbeitet sich ein schwerer Güterzug im Schritttempo bergwärts über den Viadukt. Dann fährt uns der Chauffer wieder zurück nach JingPeng. Wir erwarten den Moment der Abrechnung, wird der Fahrer sich an das vereinbarte Honorar halten? Er verlangt den Vereinbarten Betrag, Ehrlichkeit wird belohnt. Der Tag war für uns recht erfolgreich, er hat sein Fahrzeug nicht geschont, da sind 30 % Aufschlag drin. Hätte er den Aufschlag von uns entgegen der Abmachung von selbst eingefordert, bekäme er Ihn wohl nicht...
Die letzten Abende haben wir in den gleichen Lokalen gegessen. Wir probieren heute ein anderes aus und hier erleben wir das Gegenteil von unserem Fahrer, eine Karte mit Preisen gibt es nicht. Beim Verlassen des Lokals, wird uns ein horrender Preis entgegen unserer Abmachungen genannt. Wir blieben hart und zahlten den vereinbarten Preis, auch wenn der Wirt durch das gesamte Lokal tobt. Dies sind die negativen Auswüchse, des starken Zulauf an pauschalreisenden Fotografen in dieser Region. Abseits Ihrer Reisegruppen bezahlt diese Klientel jeden Preis für eine Dienstleistung und bekommt damit Betrügerei mangels Vergleich nicht mit.