Heute teilen wir uns auf, Florian hat eine schwierige Mission vor. Er reist mit dem Nachtzug in ein Militärsperrgebiet im westlichen Teil der JiTong-Eisenbahn. Dort muss er sich allein schon vorsichtig bewegen. Zu viert dürften wir uns dort nicht blicken lassen. Also werden wir drei der chinesischen Sprache nicht mächtigen den Tag im Umfeld von JingPeng verbringen. Um einem Motorrikschafahrer zum Bahnhof zu bestellen reichen unsere Verständigungsmöglichkeiten dennoch. Dort wartet bei bestem Morgenlicht wieder ein Güterzug, wir werfen eine Blick in den geräumigen Führerstand. Wenig später setzt sich der Zug mit einer gewaltigen Anfahrt bergwärts in Bewegung (Bild 1).
Wir beschließen zu Fuss an der Strecke entlang bergwärts zu gehen. Vorbei an Ziegeleien und einem Dorf gelingt noch ein Motiv mit einem bergwärts fahrenden Zug. Bald erreichen wir einen großen Viadukt bei Biligou, der das nächste Fotomotiv abgibt. Weiter geht es hinunter nach Xiakengzi, wo wir noch eine Aufnahme eines Güterzuges mit einen alten Ziehbrunnen im Vordergrund machen. Den Nachmittag verbringen wir anschließend am SimingYi-Viadukt, wo uns noch mehrere Güterzüge vor die Kamera fahren (Bild 4).
Doch wie kommen wir zurück nach JingPeng, wir versuchen es mit Trampen. Ein Fahrer eines DongFeng (=Ostwind)-LKW nimmt uns mit, ich fahre im Führerhaus mit, meine Kollegen auf der Ladefläche, so werden wir direkt vor unserem Hotel abgesetzt. Florian kommt erst gegen Mitternacht aus dem Sperrgebiet zurück, so kommt bald Hunger auf. Wir diskutieren kontrovers ob wir heute in einem Restaurant essen gehen sollen oder bei einem Straßenhändler etwas kaufen. Meine Mitreisenden überzeugen mich, da die Gefahr über den Tisch gezogen zu werden bei einem Restaurantbesuch ohne Florian groß ist auf den Restaurantbesuch zu verzichten... Satt geworden bin ich trotzdem und das Bier bekamen wir auch in einem Ladengeschäft. Wir sind erleichtert, als Florian gegen Mitternacht zurückkehrt. Für den nächsten Tag nehmen wir uns eine Tour an die Ostseite des JingPeng-Passes nach Reshui vor.
Wir starten den Tag mit einer Linienbusfahrt nach Reshui. Die Kleinstadt ist ähnlich wie JingPeng mit dem Bahnbau ab Mitte der 1990er Jahre aufgeblüht. Insbesondere im Winter werden das Post- und das Bahnhotel vom harten Kern der weltweiten Eisenbahnfotografen frequentiert. Wir suchen dennoch schnell das weite, auf der Ostseite des Passes um Reshui hat sich einen regionale Mafia herausgebildet, die Eisenbahnfotografen Schutzgelder abpresst. Leider sind schon viele Fotografen aus dem englischen Sprachraum diesen Ganoven, die mit vermeintlichen Fotoerlaubnisdokumenten handeln auf den Leim gegangen. Im Sommer 2001 sind wir weit und breit die einzigsten Fotografen und wären somit dankbare Opfer. Wir entkommen der Stadt und gehen durch die Ödniss an die Strecke, die sich über drei Ebenen mit Kehrschleifen und Tunneln den Berg hochwindet. Es dauert nicht all zu lang, bis die ersten Güterzüge den Berg heraufkommen. Wir verteilen uns entlang der Strecke und machen die unterschiedlichsten Fotos. Unter anderen kommt uns ein langer Maschinenkühlzug, ein Produkt des Waggonbau der ex. DDR entgegen (Bild 8).
In der sengenden Mittagssonne erreichen wir einen Einschnitt in der Nähe den Bahnhofes Liudigou, ein markantes und beeindruckendes Fotomotiv. Längere Zeit schmoren wir in der prallen Sonne bis sich ein Zug nähert. Anschließend gehen wir zum menschenleeren Bahnhof in Liudigou in dem sich erwartungsgemäß die Güterzüge kreuzen. Wir wollen unser Glück versuchen und eine Mitfahrt im Güterzugbegleitwagen nach JingPeng aushandeln. Ein Gegenzug kommt im Bahnhof zum stehen, nach längerem Warten rollt der Zug Richtung JingPeng ein. Er wird zwar langsamer kommt aber nicht zum stehen. Pech gehabt, so müssen wir den Weg zurück zur Straße nach JingPeng gehen. Dort treffen wir einen auf einen Geländewagen, deren Fahrer sich für unser Treiben interessieren, die Herren sind wohl von der örtlichen Mafia aus Reshui, dank Florians barscher Antwort auf chinesisch nehmen Sie jedoch bald Abstand davon von uns Schutzgeld zu kassieren. Bald nimmt uns ein Bus mit. Wir beschließen am nächsten Tag mit einem Güterzug nach Haoluku zu fahren.