Mit unserem Gepäck machen wir uns zeitig auf den Weg zum Bahnhof. Unterwegs sehen wir einen Sammelplatz für Tagelöhner, die sich dort zum Teil mit Schaufeln oder anderem Werkzeug bewaffnet den örtlichen Bau- und Handwerksunternehmern feilbieten. Am Bahnhof nehmen wir mit einem extrem einfachen Lüdian vorlieb wo wir unser Gepäck zurücklassen. Den heutigen Tag wollen wir die Strecke in westliche Richtung erkunden. Zunächst können wir im Bahnhof sich kreuzende Güterzüge fotografieren (Bild 1).
Wir gehen an diesem Tag ca. 10 Kilometer in westliche Richtung und finden eine abwechslungsreiche Landschaft vor, so dass alle daherkommenden Züge ansprechend fotografiert werden können. Am Abend pausieren wir an eine breiten, aber recht flachen Fluss über den eine fotogene Bahnbrücke führt. Mehrere Autofahrer versuchen das Flussbett zu queren, einige bleiben hängen und haben Mühe Ihre Fahrzeuge im Wasser wieder loszubekommen. Als der fotogene abendliche Personenzug diese Stelle passiert hat (Bild 7), durchqueren auch wir den Fluss und warten in der Nähe des auf der gegenüberliegenden Uferseite befindlichen Bahnhofes Yamenmiao auf ein Fahrzeug, das uns Richtung Lindong mitnimmt. Doch was kommt dort gefahren, es ist der selbe Geländewagen, der uns am Vortag einkassiert hatte, wir suchen schnell Deckung, der Herr sollte besser nicht wissen, dass wir uns noch in der Umgebung von Lindong herumtreiben. Fast eine Stunde bringen wir an der Straße zu, bis wir einen Bus in Richtung Lindong treffen, aus dem wir in der Nähe des Bahnhofes aussteigen.
Es ist noch Zeit einige Einkäufe am Bahnhof zu tätigen, bevor wir uns von unserem Wirt üppiges Abendessen auftischen lassen. Anschließend machen wir noch einige Nachtaufnahmen einer QJ am Wasserkran. Die aktuelle Herberge sollte man besser nicht zu genau betrachten. Diesmal müssen erst einige Kakerlaken vernichtet werden, bevor man sich hier häuslich niederlässt.
Heute teilt sich unsere Gruppe auf, ich bleibe allein in Lindong, der Rest der Truppe fährt schon früh gegen 4 Uhr mit dem Personenzug in Richtung Chabuga, wo eine größere Wanderung von ca. 15 km angesetzt ist. Ich habe das Bedürfnis mal einen Tag etwas kürzer zu treten und den Tag in der Umgegend von Lindong zu verbringen. Ich breche dennoch gegen 7:00 schon auf, den Tag in unserer einfachsten Behausung herumzudösen wäre Zeitverschwendung so lege ich mich an der Strecke oberhalb eines Einschnittes ins Gras und versuchen noch etwas zu schlafen. Herannahende Züge machen sich ohnehin akustisch bemerkbar (Bild 9).
Inmitten der schroffen Felsen hoffe ich meine Ruhe zu haben, allerdings dauert es nicht lange bis ich wieder aufwache und eine Ziegenherde um mich herum grast. Der Ziegenhirte scheint trotz meiner Fotoausrüstung nicht zu kapieren was ich hier treibe und versteht wohl die Welt nicht mehr. In Lindong sind bahnfotografierende Europäer bisher im Gegensatz zum Pass kaum in Erscheinung getreten. Den Vormittag bringe ich im westlich von Lindong zu, am Nachmittag wechsle ich auf die westliche Seite, ich bemühe mich am Bahnhof nicht viel Aufhebens zu machen, da ich allein unterwegs bin, wäre es ungünstig wenn mich heute der Sicherheitsdienst wegschnappt. So steige ich wieder zum Hügel oberhalb der bekannten Pagode. Hier versuche ich einen windgeschützten Platz zu finden und gleichzeitig das Geschehen im Bahnhof im Blick zu behalten.
Mehrere Stunden bringe ich hier zu und kann zwei Güterzüge mit der Pagode ablichten, darunter ein langer Kesselzug mit einer Länge von ca. 50 Wagen (Bild 12).
Auch akustisch war die Beschleunigung dieses Zuges ein Erlebnis. Für den nachmittäglichen Personenzug in östliche Richtung suche ich mir einen Platz direkt an der Strecke. Es macht sich vorher noch ein Güterzug bemerkbar. Doch jetzt wird es plötzlich ernst, der ca. 30 Meter vor meine für den Lokführer nicht einsehbaren Platz beginnt dieser auf meiner Seite der Strecke mit dem Abschlammen. Hochdruck-Pressluft schleudert seitlich aus der Lok heraus. Ich springe auf und in letzter Sekunde werde ich wahrgenommen und ca. 2 m vor mir wird das Abschlammen gestoppt. Sonst wäre ich hier gebrüht worden. Kurze Zeit später gelingt das Motiv mit dem Personenzug. Den Abend schleiche ich am Bahnhof umher, so gehe ich auch eine Stück die Straße in den Ort hinab. Doch schon werde ich von einem Motorradfahrer verfolgt, es ist der Wirt unseres Lüdian. Er hatte Angst, dass ich meine Einkäufe nicht bei Ihm tätige und einen weiter stadteinwärts gelegenen Lebensmittelladen aufsuche. Nach Einbruch der Dunkelheit rollt ein Kesselzug ein, und meine Mitreisenden entsteigen dem Packwagen, da bin ich schon erleichtert. Am Abend kommt der Wirt auch noch zu seinen Umsätzen, als wir bei Ihm einkehren.