10.Sept :: Innere Mongolei

Nach dem Sonnenaufgang zieht sich die Fahrt durch die innere Mongolei, abschnittsweise können wir vom Zugfenster aus die Große Mauer ausmachen. Mehrere Wasserhalten legen wir entlang der Strecke ein. In dem im Militärgebiet gelegenen Bahnhof von Shangdu gelingen einige Aufnahmen mit der Paradelok QJ 6304 (Bild 1).

Bild 1: QJ 6304 in Shangdu, einem Wasserhalt im Militärsperrgebiet, 10.09.2001

Gegen Mittag erreichen wir einen Vorbahnhof von Jining, auf den letzten Kilometern der JiTong-Eisenbahn wird eine Diesellok vorgespannt. Durch einen Einschnitt, der zu beiden Seiten meterhoch mit Müll überhäuft ist, erreichen wir den Bahnhof. Es sind einige Stunden Zeit bis zur Weiterfahrt nach Datong einer Großstadt westlich von Peking. So unternehmen wir einen Bummel durch die nahe liegenden Marktstraßen auf denen sich viele Kleinhändler präsentieren. Auf der Rückseite der mit neuen Gebäuden bebauten Marktstraßen befinden sich ärmere Viertel mit einstöckigen Hütten und großen Müllhaufen davor. Zurück im Bahnhof werden wir von den Einheimischen ziemlich penetrant beäugt, so bald man ein Gepäckstück öffnet stürmen mindestens 15 Zuschauer auf den Abstand von wenigen Zentimetern heran (Bild 13). Gewohnte Diskretion ist ein Fremdwort.

Bild 13: neugierige Chinesen kennen keinen Diskretionsabstand, Stefan packt seine Tasche aus, Jining, 10.09.2001

Am späteren Nachmittag können wir mit dem Zug nach Datong weiterfahren. Unser Zug führt Air-Condition-Wagen einem eigenen Maschinenwagen. Wir fahren durch weiträumige Flusslandschaften und entdecken mehrere Dörfer, deren Bewohner in Lehmhütten hausen. Bei der abendlichen Einfahrt in Datong passieren wir das bekannte Dampflokwerk, dem zahlreiche QJ entstammen. Auf dem Bahnsteig entdecken wir die DF4C 2001, eine Prototyplok, kaum ist das Bild im Kasten (Bild 14) werden wir am weiteren Aufenthalt auf dem Bahnsteig gehindert. Uns bleiben in Datong ca. 4 Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Nachtzuges nach Peking.

Bild 14: Prototyplok DF4C 2001 im Bahnhof Datong, 10.09.2001

Florian wird unsere Gruppe verlassen und in eine andere chinesische Region weitereisen. Wir essen unter freiem Himmel zu Abend und betrachten das Gewimmel auf den Straßen. Hier sieht man die Evolution chinesischer Städte besonders deutlich. In den abgelegener Straßen gibt es noch die ursprünglichen einstöckigen Hütten. Diese werden Schrittweise abgerissen. An Ihre Stelle treten zwischen fünf- bis zwanziggeschossige Plattenbauten. Diese werden zumindest im Zentrum kaum älter als 10 Jahre. Dann machen auch Sie Platz für richtige Wolkenkratzer und neuzeitliche Glaspaläste. Zum ersten mal auf unserer Reise sehen wir außerhalb Pekings Europäer. Im Bahnhof von Datong werden wir außerdem von chinesischen Studenten angesprochen, die ein paar Brocken Englisch sprechen können. Florian besorgt uns noch die Fahrkarten für den Nachtzug nach Peking, dann trennen sich unsere Wege. Leider bekam er keine Karten für Schlafwagen, die soll es im Zug geben, wird uns gesagt. Wir finden zur Abfahrt einen überfüllten Zug vor, in den wir uns mit unserem Gepäck quetschen. Es gibt eine Theke an der die Karten ausgegeben werden, dort bringen wir ca. eine Stunde genervt zu. Irgendwelche bürokratischen Vorgänge sind dazu nötig, wir kommen nicht weiter und nehmen genervt im überfüllten Hard-Seater Platz. An Schlaf ist hier nicht zu denken. Zwischen Kartenspielenden oder meditierenden Chinesen bzw. Personen die Ihre Tiere mitbringen, bleibt genügend Zeit für Charakterstudien...