08.Sept :: Daban

Mit der Pagode bei Lindong und der Flußbrücke bei Yamenmiao sind die wesentlichsten Fotostandpunkte der Region Lindong abgearbeitet und es ist an der Zeit weiterzureisen. Hinzu kommt, dass mittlerweile auch der Wunsch nach einer $Uuml;bernachtungsmöglichkeit mit Dusche drängt. Für die letzten beiden Tage haben wir uns Daban als Betriebsmittelpunkt der JiTong Eisenbahn vorgenommen. Doch Personenzüge in Richtung Daban verkehren erst Abends, also versuchen wir am Morgen unser Glück mit einem Güterzug. Ein endlos langer Kesselzug fährt alsbald ein und hält zum Wasserfassen. Nach langen $Uuml;berzeugungsversuchen und einigen Bestechungsgeschenken können wir den Packwagen besteigen, damit ist der Tag gerettet. Mit heftigen Stößen setzt sich der Zug in Bewegung und bringt uns in etwa 2 Stunden nach Daban. Zuerst gehen wir ein Hotel suchen. Florian kannte den ungefähren Standort des Staatsbahnhotels in der Nähe des Bahnhofes, wir brauchen jedoch längere Zeit um das äußerlich unscheinbare Gebäude zu finden.

Nach einer kurzen Erfrischung haben wir uns für die Mittagszeit einen Besuch im legendären Bahnbetriebswerk Daban vorgenommen. Florian kennt die Anlagen bereits. Allerdings ist gemeinhin bekannt, dass man dort nur gegen üppige Bezahlung geduldet wird. Wir versuchen unser Glück und gehen gleich zur Verwaltung des mit ca. 500 Eisenbahnern recht großen Werkes. Der Vizechef empfängt uns recht freundlich und ist der englischen Sprache mächtig. Diese hat er wohl wegen der zahlreichen internationalen Besucher erlernt. Auch wenn die Eisenbahnen in China zutiefst sozialistisch arbeiten, hat er den Kapitalismus schon begriffen. Für umgerechnet 50 Mark, bekommt man eine Fotogenehmigung der Bahn um im Bahnbetriebswerk zu fotografieren. Diese Genehmigungen dienten Mafiosis im Passabschnitt als Vorlage um von ahnungslosen Ausländern ähnliche Beträge illegal abzufordern.

Bild 4: QJ 7009, Bekohlung per Dampfkran im BW Daban, 08.09.2001

Mein Mitreisenden empfinden den Betrag als unangemessen und schauen sich das Betriebswerk lieber von einem Hügel außerhalb an. Da ich hier sicher nicht so bald wieder herkomme nutze ich die Gelegenheit dennoch und kann eine Reihe von Aufnahmen machen. Besonders interessant ist die Bekohlung per Dampfkran (Bild 4). Als wir uns nach einigen Stunden wieder treffen kündigt sich ein kurzes Gewitter an. Die zum Fotografieren unproduktive Zeit verbringen wir mit einer Fahrt in das unterhalb der Bahnanlagen gelegene Stadtzentrum (Bild 11).

Bild 11: Kaufhaus im Zentrum von Daban, 08.09.2001

Zeit einige Mitbringsel einzukaufen. Beeindruckend die vielen unbekannten Lebensmittel und Gewürze von denen ich einiges mitnehme, für den vielen Nippes der an jeder Ecke angeboten wird und später nur als Staubfänger enden wird kann ich mich dagegen nicht begeistern. Nach dem Gewitter sehen wir wie unhygienisch es in den ansonsten die meiste Zeit staubtrockenen Gassen wird. Die überall herumliegenden Abfälle vermengen sich mit dem Wasser zu einem übelriechenden Gemisch. Am Abend nutzen wir noch die Zeit um unsere Liegewagenplätze zu reservieren, die wir am nächsten Abend für den ersten Schritt der Rückreise benötigen.